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  1. Kurzübersicht

  2. Geographie
  3. Bevölkerung
  4. Politik
  5. Wirtschaft
  6. Bildung und Soziales

 

1. Kurzübersicht

Ländername:    Republik Bolivien Staatsform: Demokratie, zentralistisch

Hauptstadt: verfassungsmäßig Sucre (ca. 250.000 Einwohner) Regierungssitz in La Paz (ca. 900.000 Einwohner)

Staatspräsident: Evo Morales Ayma seit 22.01.2006

Landesgröße: ca. 1,1 Mio.

Einwohner: ca. 9,34 Mio., davon 66% Indianer

Sprache: Spanisch, Quechua, Aymara

Religion: römisch-katholisch (80%)

Arbeitslosigkeit: ca. 50%

Armut: ca. 70% leben unterhalb der Armutsgrenze nach oben

 

2. Geographie

Bolivien ist ein Querschnitt durch fast die gesamte südamerikanische Geographie.

Der Westteil Boliviens entfällt auf die Anden, die eine Höhe von ca. 6.500 Metern erreichen und vulkanisch noch aktiv sind. Auf einer Höhe von etwa 3.500 bis 4.000 Metern liegt die Hochebene Altiplano. An der Grenze zu Peru ist der größte See Südamerikas, der Titikakasee, zu finden.

Der nördliche bzw. nordöstliche Teil des Landes liegt im Amazonasgebiet, wo tropische Vegetation und Klimaverhältnisse vorherrschen. Den Übergang zwischen den Anden und dem Amazonasgebiet bilden die Yungas; hier bewachsen Nebelwälder mit Riesenfarnen und Orchideen die Andenausläufer.

Im Süden Boliviens befinden sich fruchtbare Böden, die als Kornkammer des Landes gelten.

Im Südwesten, etwa ab Santa Cruz, beginnt der bolivianische Chaco, welches ein Gebiet von Baum- und Strauchsavannen ist. nach oben

 

3. Bevölkerung

Etwa 66% aller Bolivianer ist indianischer Abstammung, was das Leben und die Kultur des Landes sehr prägt.

Unter der indigenen Bevölkerung gibt es von Region zu Region Unterschiede in Temperament und Kultur. So gelten die im Tiefland lebenden Cambas als viel ausgelassener und offener als die traditionsbewussten Kollas im Hochland.

Neben den ca. 10% spanischstämmigen Bolivianern gibt es eine große Anzahl kleinerer Einwanderungsgruppen, so beispielsweise die deutschstämmigen Mennoniten in der Region um Santa Cruz herum.

Trotz der Vielzahl der in Bolivien lebenden Volksgruppen ist das Zusammenleben größtenteils von Akzeptanz und Toleranz geprägt, auch in Hinsicht auf die Religionszugehörigkeit. Zwar ist der Großteil der Menschen katholisch mit sehr starken Überbleibseln der alten Inkareligion, doch daneben praktizieren viele weitere kleine christliche Gruppen ihren Glauben. nach oben

 

4. Politik

Bolivien ist eine Präsidial-Republik.

In der Zeit zwischen der Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1825 und den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts war das politische System von größter Instabilität gekennzeichnet, was allein die über 200 gewaltsamen Machtwechsel zeigen. Seit den 80er Jahren hat es sechs demokratische Machtwechsel ohne direkte Einflussnahme des Militärs gegeben, was in Zukunft auf mehr politische Stabilität hoffen lässt.

Die Hauptstadt Boliviens ist Sucre mit Regierungssitz in La Paz. Der Präsident, aktuell Evo Morales Ayma, wird auf fünf Jahre gewählt und kann nicht sofort wiedergewählt werden. Das Parlament besteht aus zwei Kammern und residiert ebenfalls in La Paz.

Die Parteienlandschaft Boliviens ist sehr vielfältig. Zu den wichtigsten Parteien gehören derzeit Movimiento al Socialismo(MAS), Poder Democrático Socialista (PODEMOS; konservativ), Union Nacional (UN; wirtschaftsfreundlich-liberal). Bolivien ist in insgesamt neun Verwaltungsbezirken, den sogenannten Departementos, aufgeteilt.

Evo Morales ist der erste Indigene in der Geschichte Boliviens im Amt des Staatspräsidenten und des Regierungschefs. Zu seinen vorrangigen Zielen gehören die Armuts- und Korruptionsbekämpfung und insbesondere die vollständige Teilhabe der indigenen Bevölkerung am wirtschaftlichen und politischen Leben. nach oben

 

5. Wirtschaft

Bolivien ist ein Agrarland. Über 50% der Bevölkerung – vom Klein- bis zum Kleinstbauern – verdient ihren Lebensunterhalt im Primärsektor. Das wichtigste Agrarexportprodukt ist die Sojabohne, die auf kilometerlangen Feldern angebaut wird.

Weitere wichtige Ausfuhrgüter sind Erdgas, Zinn und Gold. Zu den wichtigsten Handelspartnern Boliviens zählen Venezuela, Brasilien, Argentinien, die USA und Japan. Eingeführt werden insbesondere Fahrzeuge, Maschinen, Elektroerzeugnisse, Treibstoffe und Lebensmittel. Aufgrund einer schlechten industriellen Basis, einer schlechten Infrastruktur sowie hohen Transportkosten ist eine internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes noch erschwert.

Durch die Regierung Morales geht die Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik mit der Stärkung der Rolle des Staates in der Wirtschaft einher. Hierzu dient u.a. der Aufbau von Staatsunternehmen; so werden Haushaltsüberschüsse zur Ausweitung sozialer Programme, wie z.B. zur Subventionierung von Lebensmitteln, einer Reform der Altersversorgung und der Gesundheitsvorsorge genutzt. nach oben

 

6. Bildung und Soziales

Bolivien gilt als das ärmste Land Südamerikas. Dies belegen folgende Angaben:

Der gesetzliche Mindestlohn liegt bei ca. 60 US-$ im Monat, wobei ein Polizist beispielsweise 107 US-$ verdient. Etwa 70% der Gesamtbevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.

60% aller Kinder besuchen keine oder nur sehr unzureichend eine Schule. Obwohl es eine gesetzlich verankerte Schulpflicht gibt, erreichen nur wenige einen Schulabschluss. Ein Universitätsstudium ist der wohlhabenden Oberschicht vorbehalten.

Im Jahre 2000 waren nahezu 20% aller Erwachsenen Analphabeten. Von Seiten der Regierung wurden durch eine umfassende Bildungsreform große Anstrengungen unternommen den Analphabetismus zu bekämpfen und mehr Schulabsolventen zu erhalten.

Obwohl Kinderarbeit in Bolivien offiziell verboten ist, arbeiten wohl noch heute in den Minen des Cerro Rico, nahe der Stadt Potosi, um die 6500 Kinder zwischen 7 und 14 Jahren. Die Kinder haben die Aufgabe Löcher in die Felswände zu hämmern und mit kleinen Dynamitstangen Gesteinbrocken aus den Felsen zu sprengen. Die Arbeitsbedingungen dort sind unvorstellbar, denn tief unten in der Mine hat es Temperaturen von fast 40 Grad. Die Lebenserwartung der Bergarbeiter beträgt knapp 40 Jahre, denn giftige Schwefeldämpfe und Kieselstaub zerstören die Lunge, so dass sie häufig an der gefährlichen Krankheit Silicose sterben. nach oben

Stand: Dienstag, 28. Februar 2012